DIE GESCHICHTE DES GLASES

7.000 v. Chr.

Glas ist ein Werkstoff mit jahrtausendealter Tradition

Wann genau Glas zum ersten Mal hergestellt wurde, ist unklar. Die ersten Kontakte der Menschheit mit natürlichem Glas gehen schon in das Neolithikum, ungefähr um 7.000 v. Chr., zurück. Von besonderer Bedeutung für die Steinzeitmenschen war Obsidian, das natürliche Glas, das mit seinen scharfen Kanten für Messer und Schaber eingesetzt wurde.

3.000 v. Chr.

In Mesopotamien – vermutlich zeitgleich auch in Ägypten - wurde wahrscheinlich im 3. Jahrtausend v. Chr. die technische Herstellung von Glas erfunden

Die organisierte Fertigung von Glas erfolgte zu dieser Zeit meist in Form von Schmuckstücken und kleinen Gefäßen

1.500 v. Chr.

Um 1.500 v. Chr. gelang den Ägyptern erstmals die Herstellung von Hohlglas, das als Salben- oder Ölbehälter diente

Das älteste, präzise datierte Glasobjekt findet sich in der Sammlung ägyptischer Kunst in München: es handelt sich dabei um einen Kelch, der um 1.450 v. Chr. gefertigt wurde.

658 v. Chr.

Aus dem Jahr 658 v. Chr. stammt die erste bekannte Rezeptur für Glas

Diese ist aus der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal überliefert: „Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen und 5 Teile Kreide und du erhältst Glas.“

100 v. Chr.

Durch die um 100 v. Chr. erfundene Glasmacherpfeife wurde die Glasproduktion revolutioniert

Denn nun konnten auch dünnwandige Gläser hergestellt und in verschiedenste Formen geblasen werden. Rund 100 Jahre später wurde in Ägypten erstmals farbloses Glas geschmolzen. Die hohen Temperaturen brachten auch eine höhere Glasqualität mit sich und es entstanden luxuriöse Gläser mit aufwendigen Dekoren.

11. Jhd.

Im 11. Jahrhundert entwickelte sich die Handelsmetropole Venedig zum Zentrum abendländischer Glasmacherkunst

Ihren Höhepunkt erreichte sie vom 15. bis ins 17. Jahrhundert. Besonderen Stellenwert hatte das reine Kristallglas, auf der Basis von Quarzsand und aus Meerespflanzen gewonnener Pottasche. Die Flaschenmacher, „phiolarius“ genannt, prägten die venezianische Glastradition. Leider gibt es heute nur noch sehr wenige authentische venezianische Renaissance-Glas-Funde.

12. Jhd.

Das 12. Jahrhundert ist von einer weiteren bahnbrechenden Erfindung geprägt: dem Fensterglas

Um 1330 wurde in Frankreich das Prinzip des Mondglases entwickelt, das später auch Butzenglas genannt wurde. Glaskugeln wurden zu flachen Tellern geformt und ihre Mittelstücke mithilfe von Blei zu größeren Gebilden zusammengesetzt. Das aus dem Mondglas zusammengesetzte Butzenglas hatte zwar noch nicht die Qualität von Flachglas, jedoch konnte damit trotzdem Licht in die Häuser gebracht werden, ohne die Läden zu öffnen.

1676

Im Jahr 1676 wurde in England Bleikristall entwickelt

Durch den Zusatz von Bleioxid kann eine besonders große Brillanz erzielt werden und das Glas eignet sich hervorragend zum Schliff. Am Kontinent setzte sich die Bleikristallerzeugung erst nach Mitte des 18. Jahrhunderts durch.

1688

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur modernen Glasherstellung

in der französischen Stadt Saint Gobain wurde erstmals gewalztes Glas hergestellt. Dabei wurde geschmolzenes Glas auf dem Walztisch verteilt und mit einer Walze bearbeitet, wodurch eine gleichmäßige Dicke des Glases erzielt werden konnte.

18. Jhd.

Im 18. Jahrhundert wurde das venezianische Glas von einer neuen Glaskunstart verdrängt

– dem barocken Schnittglas. Vornehmlich in Böhmen und Schlesien, aber auch in Nürnberg, Brandenburg und Sachsen hergestellt, ermöglichte das barocke Schnittglas, bei dem dekorative Motive, Figuren und Szenen ins Glas geritzt werden konnten, nun auch eine Individualisierung des Glases.

1867

Bereits im Jahr 1856 stellte Friedrich Siemens den ersten Glasofen mit Regenerativfeuerung her, 1867 folgte schließlich eine weitere Neuerung, die die technische Produktion von Glas vereinfachte und beschleunigte

Friedrich Siemens entwickelte den kontinuierlichen Wannenofen, der unter anderem die Industrialisierung der Glasproduktion vorantrieb sowie eine maschinelle Produktion von Glasverpackungen zu angemessenen Preisen ermöglichte.

1903

1903 erfand der Amerikaner Michael J. Owens die automatische Flaschenblasmaschine – der erste Vollautomat in der Ingenieursgeschichte

Sie arbeitete im Saug-Blas-Verfahren und hatte eine Kapazität von neun Flaschen in der Minute, wodurch die Flaschenproduktion um ein Vielfaches gesteigert werden konnte. Das Glas wurde in die Metallform eingesogen und automatisch abgeschnitten. Der in die Form ragende Pegel erzeugte den Hohlraum, durch Blasen wurde der Hohlraum vergrößert und in der Form wurde die Glasflasche fertiggeblasen.

1904

Als Leiter der Glashütte von Dampremy erfand Émile Fourcault gemeinsam mit Émile Gobbe im Jahr 1904 das nach ihm benannte Fourcault-Verfahren zur Herstellung von Flachglas

Bis zu diesem Zeitpunkt konnte Fensterglas nur sehr aufwändig aus großen Zylindern, die seitlich aufgeschnitten und in einem Spezialofen mehrfach aufgewärmt, gestreckt und gebügelt werden mussten, hergestellt werden.

1917

Das Jahr 1917 ist ein einschneidendes Jahr für die industrielle Glasherstellung

Das vom Amerikaner Colburn entwickelte Libbey-Owens-Verfahren konnte die Glasproduktion um das Vierzigfache steigern. Im Gegensatz zu Fourcault verwendete Colburn keine Ziehdüse. Das Glas wird mit einer Fangvorrichtung direkt aus der Wanne gezogen, läuft noch weich ca. 70cm über eine polierte Stahlwalze, wird in die Horizontale umgelegt und durchläuft schließlich einen Kühlkanal.

1925

Ingle und Smith entwickelten 1925 die nach dem Blas-Blas-Verfahren arbeitende IS-Maschine (benannt nach ihren Erfindern)

Hier fällt der Glastropfen vom Tropfenspeiser in die Vorform, wird gegen den aufgesetzten Vorformboden geblasen und in der Fertigform rückerwärmt und fertiggeblasen. In leicht modifizierter Art wird diese Produktionstechnik auch heute noch zur Hohlglaserzeugung eingesetzt.

Ab 1945

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entwickelte sich die Glasproduktion immer weiter und auch die Qualität des vielseitigen Packstoffs konnte verbessert und perfektioniert werden

In den 70er Jahren kamen elektronisch gesteuerte Maschinen zur Glasherstellung auf den Markt, wodurch das Produktionsvolumen noch erheblich gesteigert werden konnte.

Heute

Mittlerweile hat sich Glas als Verpackungsmaterial dank seiner hervorragenden Eigenschaften sowohl im Getränke- und Lebensmittelbereich als auch für Pharmazeutika und Parfums erfolgreich durchgesetzt

In der hygienisch sauberen und sicher schützenden Hülle aus Glas bleiben hochwertige Produkte einwandfrei frisch und behalten über lange Zeit Geschmack und unverfälschtes Aroma. Nichts löst sich aus dem Glas in das Produkt, nichts gelangt von außen durch das Glas in das Produkt und nichts entweicht. Aber Glas wird nicht nur als hochwertiges Verpackungsmaterial geschätzt, es findet auch als Baustoff, in der Kommunikationstechnologie und in Forschung und Wissenschaft Anwendung.